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»Tur­nit­off!« - Zwei­fel­haf­ter Ein­satz der Pla­gi­ats­soft­ware »tur­ni­tin« an der Uni­ver­si­tät Greifswald

Die Hoch­schul­pi­ra­ten Greifs­wald spre­chen sich gegen die geplante Nut­zung der Pla­gi­ats­soft­ware »tur­ni­tin« [1] und die damit ein­her­ge­hende Ände­rung der Daten­schutz­sat­zung aus. Danach kön­nen zukünf­tig alle Arbei­ten von Stu­die­ren­den bis zu zehn Jahre nach Abschluss des Prü­fungs­ver­fah­rens auch von Drit­ten elek­tro­nisch kopiert und ver­ar­bei­tet wer­den. Stu­die­rende wer­den dadurch unter einen Gene­ral­ver­dacht gestellt, da nicht mehr nur auf einen Anfangs­ver­dacht hin geprüft wird. Ob für das Hoch­la­den der Arbeit eine gene­relle Ein­wil­li­gung bei­spiels­weise durch die Zustim­mung zu einer Daten­schutz­sat­zung aus­reicht, ist selbst »unter Exper­ten umstrit­ten« [2].

Damit ein­her geht zusätz­lich der Ver­lust des Rechts am eige­nen geschrie­be­nen Wort, da zukünf­tig eine Daten­bank mit bereits ein­ge­reich­ten Arbei­ten ein­ge­rich­tet wer­den soll. Auch wenn die Ein­stel­lun­gen bei tur­ni­tin so ver­än­dert wür­den, dass es nicht zu einer dau­er­haf­ten Spei­che­rung des Wer­kes kommt, so ist doch damit zu rech­nen, dass dies eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung dar­stellt [3].

In einem Antrag, der vor­aus­sicht­lich in der kom­men­den Sit­zung des Stu­die­ren­den­par­la­ments am 03 Juli 2012 behan­delt wer­den wird, for­dern die Hoch­schul­pi­ra­ten Greifs­wald daher, die Ver­wen­dung der Soft­ware sofort ein­zu­stel­len. Zudem sol­len die stu­den­ti­schen Ver­tre­ter auf eine Ver­öf­fent­li­chung der Ver­trags­texte hinarbeiten.

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Turnitin
[2] https://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/einrichtungen/elearning/Turnitin/Turnitin_Nutzungsrichtlinien.pdf
[3] http://www.chip.de/news/Kino.to-Urteil-Ansehen-illegaler-Streams-ist-strafbar_53541632.html

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://piraten-hgw.de/2012/07/turnitoff-zweifelhafter-einsatz-der-plagiatssoftware-turnitin-an-der-universitat-greifswald/

3 Kommentare

  1. FBM

    Ich habe den Antrag zunächst auch skep­tisch gese­hen. Es macht aber Sinn dazu mal Wiki­pe­dia zu fra­gen: http://en.wikipedia.org/wiki/Turnitin#Controversy

    Wei­ter­hin wün­sche ich mir, dass die Stu­die­ren­den eine Option krie­gen ihre Arbei­ten selbst zu prü­fen, um ver­se­hent­li­che »Pla­giate« zu überarbeiten.

  2. Justus

    Beim Daten­schutz geht’s ja eher um per­so­nen­be­zo­gene Daten; ob man den auch auf wis­sen­schaft­li­che Schrif­ten aus­wer­ten sollte ist zumin­dest dis­kus­si­ons­wür­dig. Das Inter­esse der Uni, Pla­giate auf­zu­spü­ren ist ja durch­aus gerecht­fer­tigt, da sollte man abwä­gen, wel­ches Recht mehr wert ist. Zudem: Setzt Euch viel­leicht lie­ber dafür ein, die Soft­ware als Stu­die­rende _vor_ Abgabe einer Arbeit aus­zu­pro­bie­ren, damit man selbst gucken kann, ob man eine Quel­len­an­gabe über­se­hen hat.
    Grüße von den Pots­da­mer Hochschulpiraten!

  3. Sylvia

    Kri­ti­siert ihr wir­ki­lich, dass Stu­di­en­ar­bei­ten in einem uni­ver­si­tä­ren Umfeld archi­viert und auf Pla­giat gecheckt werden?

    Wider­spricht eure Hal­tung zum Recht am »eige­nen geschrie­be­nen Wort« nicht dia­me­tral unse­rer For­de­rung nach Open Access?

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