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Pro Dia­go­nal­que­rung!

Wenn es in Greifs­wald einen Ver­kehrs­kno­ten­punkt gibt, so ist es die Euro­pa­kreu­zung. Jeden Tag pas­sie­ren tau­sende Greifs­wal­der die­sen Schnitt­weg - und gera­ten dabei in Kon­flikte. Ins­be­son­dere zu Stoß­zei­ten behin­dern sich Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger gegen­sei­tig, mit­un­ter auch unter Ein­be­zie­hung des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs. Schuld daran sind sie nicht unbe­dingt selbst: Die Kreu­zung kann schlicht­weg die Las­ten nicht zu jeder Zeit tragen.

Ein Kon­zept, um Stand­zei­ten zu über­win­den und den Ver­kehr flie­ßen zu las­sen, ist die soge­nannte »Dia­go­nal­que­rung«. Rad­fah­rer wür­den eine zusätz­li­che Ampel erhal­ten und dürf­ten, wäh­rend Auto­fah­rer nach links abbie­gen (zum Bei­spiel vom Han­se­ring in die Wol­gas­ter Straße), in einem brei­ten Kor­ri­dor dia­go­nal zwi­schen Thea­ter­platz und Müh­len­tor kreu­zen. An den bis­he­ri­gen War­te­punk­ten wür­den weni­ger Rad­fah­rer ste­hen und die Haupt­achse des Greifs­wal­der Fahr­rad­ver­kehrs über die Robert-Blum-Straße und die Pap­pel­al­lee würde betont. Details kön­nen einem PDF zur Pro­jekt­pla­nung ent­nom­men wer­den [1]

Europakreuzung

Lei­der hat sich gerade an die­sem Pro­jekt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine vor­nehm­lich ideo­lo­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung ent­zün­det. Teil­weise unab­hän­gig von Argu­men­ten, Finan­zie­rungs­ideen und der Prü­fung durch diverse Sach­ver­stän­dige, wol­len als kon­ser­va­tiv gel­tende Bür­ger­schafts­frak­tio­nen der Idee einen Rie­gel vor­schie­ben. Ein wei­te­rer Höhe­punkt die­ses Dau­er­streits ist der gegen­wär­tige Ver­such die Umge­stal­tung der Euro­pa­kreu­zung ganz aus dem Rad­ver­kehrs­plan zu strei­chen. CDU, FDP und Bür­ger­liste möch­ten »ein für alle­mal und für alle Klar­heit in die­ser Frage schaf­fen« und bele­gen damit, dass es ihnen nicht um das Gemein­wohl geht: Die Dis­kus­sion soll been­det wer­den, denn Dis­kus­sio­nen sind lei­der so müh­se­lig, mit all ihren Argu­men­ten und den unlieb­sa­men Teilnehmern.

Die­ser Schritt wird allein damit begrün­det, dass in einer Tele­fon­be­fra­gung ein nega­ti­ves Mei­nungs­bild zur Dia­go­nal­que­rung ein­ge­holt wurde. Eine vor­he­rige Onlin­e­be­fra­gung ergab jedoch ein ent­ge­gen­ge­setz­tes Ergeb­nis. Für beide Ver­su­che gilt, dass sie nicht als reprä­sen­ta­tiv gel­ten kön­nen. Wenn man, wie gesche­hen, an einem Werk­tag gegen 11 Uhr zufäl­lig aus­ge­wählte Fest­netz­an­schlüsse anruft, erreicht man eben nur die­je­ni­gen, die dann nicht auf dem Fahr­rad oder auf Arbeit und in der Uni sit­zen und ver­zerrt so die Erhe­bung.
Dass den­noch ver­sucht wird, den Anschein der Reprä­sen­ta­ti­vi­tät auf­recht zu erhal­ten, zeugt ent­we­der von Unwis­sen­heit oder aber von Ignoranz.

Zurück zu den Fakten

Was kos­tet die Diagonalquerung?

Zunächst geht es auch nur darum, das Pro­jekt nicht aus dem Rad­ver­kehrs­plan zu strei­chen - das kos­tet gar nichts.
Ins­ge­samt sind 185.000 Euro ver­an­schlagt, davon 25.000 Euro für die teu­rere LED-Ampeltechnik.
Zum Ver­gleich: Die Pro­gram­mie­rung einer grü­nen Welle hat etwa 60.000 Euro gekos­tet.
Zur Rela­ti­vie­rung: Jähr­lich las­sen sich 7.000 Euro durch die ener­gie­ef­fi­zi­en­ten LED-Leuchten ein­spa­ren - das Pro­jekt refi­nan­ziert sich also mit­tel­fris­tig.
Zur Klar­stel­lung: Die Ampel­an­lage muss frü­her oder spä­ter ohne­hin saniert werden.

Wem nützt die Diagonalquerung?

Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer müs­sen sich weni­ger um den zu knapp bemes­se­nen Platz vor den Ampel­über­gän­gen strei­ten.
Alle Ver­kehrs­teil­neh­mer pro­fi­tie­ren von schnel­le­ren Schalt­zy­klen, da durch die Ver­klei­ne­rung der Kreu­zung gerin­gere Überfahrt- und Räum­zei­ten benö­tigt wer­den - die War­te­zei­ten wer­den kür­zer.
Rad­fah­rer pro­fi­tie­ren beson­ders durch die neue Kreu­zungs­op­tion.
Alle Bür­ger und Gäste Greifs­walds kön­nen von einer Ent­schla­ckung pro­fi­tie­ren, wenn die Haupt­ver­kehrs­ader für Rad­fah­rer gestärkt wird und diese darum sel­te­ner auf der Ankla­mer Straße mit Auto­fah­rern um den dort vor­han­de­nen Platz konkurrieren.

Ist die Dia­go­nal­que­rung gefährlich?

Nein. Alle an der Prü­fung des Kon­zep­tes betei­lig­ten Behör­den haben grü­nes Licht gege­ben. Seit vie­len Jah­ren kreu­zen Rad­fah­rer uner­laubt quer - noch nie gab es dabei Unfälle.

Wird es Stau geben?

Ver­mut­lich nicht - die Pla­nung beruht auf Modell­rech­nun­gen und aktu­el­len Ver­kehrs­da­ten. Den­noch gibt es Zwei­fel: Wenn es nur noch eine Links­ab­bie­ger­spur am Han­se­ring gibt, könnte man einen Rück­stau bis über die Ein­mün­dung zur Löff­ler­straße hin­aus befürch­ten.
Um die­sen strit­ti­gen Punkt zu klä­ren, könnte man in einen pro­vi­so­ri­schen Betrieb die Dia­go­nal­que­rung erpro­ben. Was braucht es dazu?

- kurz­le­bige Fahr­bahn­mar­kie­run­gen
- even­tu­ell kurze Ram­pen an den momen­tan noch hohen Bür­ger­steig­kan­ten
- Frei­wil­lige, die unter Anlei­tung der Poli­zei »Ampel« spielen

Was tun?

Die Greifs­wal­der Pira­ten schlie­ßen sich dem Auf­ruf der Hoch­schul­pi­ra­ten an: Kommt am 14. Mai 2012 um 17.30 Uhr zur Fahr­radd­demo am Markt [2]! Lasst uns zei­gen, dass Greifs­wald die Dia­go­nal­que­rung will!

[1] Pro­jekt­dar­stel­lung als PDF (2010)
[2] Flyer Fahr­rad­demo (4 MB)

Das Foto ist von Cal­vin Der­kins und steht unter der Lizenz CC BY-NC-ND 2.0. Es zeigt die Euro­pa­kreu­zung in einer Winternacht.

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Demo­kra­tie in Bewegung

Das Stu­die­ren­den­par­la­ment der Uni­ver­si­tät Greifs­wald hat sich auf der Sit­zung vom 24. April 2012 dafür aus­ge­spro­chen, die Pla­nung einer Dia­go­nal­que­rung über die Euro­pa­kreu­zung im Rad­ver­kehrs­plan der Stadt bei­zu­be­hal­ten.
Gleich­zei­tig wurde der AStA damit beauf­tragt, eine Kam­pa­gne gegen die geplante Strei­chung der Pläne zu orga­ni­sie­ren. Im Zuge die­ser Kam­pa­gne soll am 14. Mai 2012, einen Tag vor der ent­schei­den­den Bür­ger­schafts­sit­zung, um 17.30 Uhr vor dem Rat­haus eine Fahr­rad­demo [1] statt­fin­den. Wei­tere Infor­ma­tio­nen zum Thema Dia­go­nal­que­rung gibt es auf dem Flei­scher­vor­stadt­blog [2], bei der Grü­nen Jugend [3] und bei Daburna [4]. Die Greifs­wal­der Hoch­schul­pi­ra­ten unter­stüt­zen die Kam­pa­gne des AStA und rufen zur zahl­rei­chen Teil­nahme an der Fahr­rad­demo auf. Kommt vorbei!

[1] Flyer (4 MB)
[2] blog.17vier.de - Flei­scher­vor­stadt­blog
[3] www.wildwuchs-mv.de - Grüne Jugend
[4] www.daburna.de - Daburna

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