Der sechste Landesparteitag der Piratenpartei in Mecklenburg-Vorpommern endete nach neuneinhalb Stunden am Sonntag um 19.30 Uhr. Mit 59 akkreditierten Mitgliedern waren 22 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder des Landesverbands anwesend und nutzten die Möglichkeit, über Anträge aus den Themenbereichen Demokratie, Bildung, Umwelt und Bürgerrechte zu beraten und zu entscheiden. Den Parteitag zeichneten die regen Diskussionen aus, bei denen auf konstruktive Weise Meinungen über die Anträge ausgetauscht und diese vielfach verbessert wurden.
Während sich die Versammlung gegen eine Verlängerung der Amtszeit des Vorstands auf zwei Jahre aussprach, wurde einstimmig die Einführung einer Ständigen Mitgliederversammlung beschlossen, die es ermöglichen soll, zukünftig online über Positionspapiere und Stellungnahmen zu politischen Fragen verbindlich abzustimmen. Außerdem wurde der Landesparteitag in Landesmitgliederversammlung umbenannt, um zu verdeutlichen, dass es sich nicht um ein Delegiertentreffen, sondern um eine basisdemokratische Versammlung gleichberechtigter Mitglieder handelt.
Mit einem Beschluss unter dem Titel »Mehr Demokratie wagen« will der Landesverband die Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern beleben. Die Piratenpartei fordert, die Wahlperioden des Landtags wieder auf vier Jahre zu verkürzen und die Fünf-Prozent-Hürde abzuschaffen. Jugendliche sollen durch die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre früher Verantwortung übernehmen können.
Der Landesverband setzt sich dafür ein, die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger in Gemeindevertretungen und Kreistagen zu verbessern. Wissensvorsprünge (Herrschaftswissen) gegenüber Bürgern und Hinterzimmerpolitik müssen abgebaut werden. Zu diesem Zweck sollen Sitzungen im Internet übertragen und Aufzeichnungen online zugänglich gemacht werden. Tagesordnungen, Protokolle, Beschlüsse sowie Verträge mit der Wirtschaft müssen veröffentlicht werden. Der Parteitag erkennt weiterhin die besondere Rolle des Internets in unserer Gesellschaft an und tritt für ein Grundrecht auf kabelgebundenem Zugang ein.
Desweiteren spricht sich der Landesverband gegen den Einsatz von Körperscannern, Biometrie sowie die Speicherung von DNA-Datensätzen nicht kriminell belasteter Personen aus. Zur Verbesserung des Katastrophenschutzes sollen Einsatzwagen mit GPS-Systemen ausgestattet und Leitstellen landesweit vernetzt werden. Erste Hilfe soll bereits in der Schule regelmäßig vermittelt werden. Eingriffe in die Umwelt durch Fracking- oder CCS-Technologien lehnt die Piratenpartei in Mecklenburg-Vorpommern ab.
Insgesamt fanden 34 der 55 Anträge die Zustimmung des Parteitages. Die Liste der Anträge mit den Abstimmungsergebnissen befindet sich hier.