Schlagwort-Archiv: Verkehr

#Greifs­wald - KAW-Hallen als Einkaufszentrum?

Die Ost­see­zei­tung berich­tete am 04. Sep­tem­ber über ein Tref­fen zum Thema KAW-Hallen, an dem auch wir (Milos, Jan Magnus & Jörg) teil­ge­nom­men haben [1]. Ein­ge­la­den hatte der Inves­tor, Herr Sal­lier, der sich von einer CIMA-Gutachterin, einem Ver­kehrs­gut­ach­ter und sei­nem Öffent­lich­keits­ar­bei­ter adju­tie­ren ließ. Ansons­ten waren neben der Presse tat­säch­lich von allen Frak­tio­nen der Bür­ger­schaft sowie von der Bür­ger­in­itia­tive (unter ihnen einige Innen­stadt­händ­ler) Ver­tre­ter anwe­send.
Die große Lösung haben wir lei­der nicht gefun­den, aber es ist deut­lich gewor­den, dass drei Knack­punkte eine Durch­set­zung des Pro­jek­tes momen­tan verhindern:

  • Die Vita­li­tät der Innen­stadt soll erhal­ten bleiben
  • Der Ver­kehr in der Bahn­hof­straße soll erträg­lich bleiben
  • Kul­tur­be­triebe soll­ten erhal­ten blei­ben und Bür­ger ein­be­zo­gen werden

Innen­stadt – droht die Insol­venz vie­ler Geschäfte?

Das Gut­ach­ten der CIMA [2] legt nahe, dass sich die Händ­ler der Innen­stadt keine Sor­gen machen müs­sen. Allen­falls 3,1% ihres Umsat­zes soll weg­bre­chen – das müsste ein Betrieb ver­kraf­ten. Wir haben unsere Zwei­fel an die­sem Wert. Es ist für uns wenig glaub­haft, dass beim direk­ten Nach­barn, der Innen­stadt, pro­zen­tual weni­ger Umsatz ver­lo­ren gehen soll als bei­spiels­weise im Schönwalde-Center (7,8%, Seite 38). Auch erschei­nen uns die Schwan­kun­gen je nach Waren­gruppe wenig nach­voll­zieh­bar. Ein 3000m²-Edeka soll nur 2,1% von der Innen­stadt in das Cen­ter ver­la­gern, ein 480m²-Schuhgeschäft aber gleich 7,6%. Wie die Gut­ach­ter auf diese Werte kom­men, kön­nen wir nicht nach­voll­zie­hen.
KAW-Hallen
Die Vor­her­sa­ge­kraft des CIMA-Gutachtens ist auch des­halb schwie­rig zu beur­tei­len, weil es bes­ten­falls auf aktu­el­len, meist aber auf nicht mehr ganz fri­schen Bevöl­ke­rungs­da­ten basiert. Greifs­wald aber ist eine Stadt mit hoher Fluk­tua­tion und schwer vor­her­seh­ba­rer Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung. Das Gut­ach­ten (S. 12) zeigt einen posi­ti­ven Trend der Ein­woh­ner­ent­wick­lung zwi­schen 2006 und 2010, der sich ver­mut­lich auch noch bis 2012 fort­ge­setzt hat [3]. Seit­dem hat die Uni aber rund ein­tau­send Stu­die­rende ver­lo­ren [4]. Es ist nicht abseh­bar, ob und wie die­ser Trend gestoppt wer­den kann. Ohne­hin hal­ten wir es für eine Schwä­che des Gut­ach­tens, nur von den Ein­woh­ner­zah­len Greifs­walds aus­zu­ge­hen, wo doch nur jeder zweite Stu­die­rende hier gemel­det ist. Natür­lich ist die Kauf­kraft der meis­ten Stu­die­ren­den recht gering – sie zu ver­ges­sen, ver­zerrt den­noch das Gut­ach­ten. Die gerin­gen ver­füg­ba­ren Ein­kom­men vie­ler Greifs­wal­der Bür­ger sind jedoch auch noch aus ande­rer Per­spek­tive rele­vant: Die gestie­ge­nen Mie­ten der letz­ten Jahre rei­ßen ein viel zu gro­ßes Loch in die Haus­halts­kas­sen. Auch hier­bei han­delt es sich um eine sehr dyna­mi­sche Ent­wick­lung. Das CIMA-Gutachten scheint diese Effekte nicht abzu­bil­den. Was pas­siert, wenn eine Mischung aus die­sen Fak­to­ren die ers­ten Innen­stadt­händ­ler vom Markt fegt? Wie ver­än­dert sich die Attrak­ti­vi­tät der Innen­stadt, wenn nicht nur die Dom­pas­sage leer steht, son­dern auch wei­tere Schau­fens­ter – könnte es zu einer Ket­ten­re­ak­tion kommen?

Wir sind nun gespannt, was ein Gut­ach­ten, das die Bür­ger­in­itia­tive in Auf­trag gege­ben hat, brin­gen wird – wenn sich die bei­den Gut­ach­ten ekla­tant wider­spre­chen, müs­sen wir uns wohl auf den gesun­den Men­schen­ver­stand ver­las­sen und der sagt, dass ein Ein­kaufs­zen­trum in der Nach­bar­schaft für die Innen­stadt nichts Gutes heisst.

Ver­kehr

Die Zunahme des Ver­kehrs in der Bahn­hof­straße ist eben­falls nicht leicht vor­her­zu­sa­gen. Der am Diens­tag anwe­sende Experte zu die­ser Fra­ge­stel­lung sprach von 200 Fahr­zeu­gen, die im Berufs­ver­kehr gegen 17 Uhr auf den Park­platz fah­ren wür­den. Hier­für wird dann eine Ampel­an­lage nötig. In einem 90-Sekunden Ampel­zy­klus wären das nur 5 Fahr­zeuge, die sich dann auch noch auf zwei Rich­tun­gen ver­tei­len wür­den. Das erscheint uns eher gering­fü­gig und eben darum so zwei­fel­haft, weil es nicht zu meh­re­ren tau­send Qua­drat­me­tern Ver­kaufs­flä­che und Berufs­ver­kehr passt. Die Ver­kehrs­un­ter­su­chung kann man sich natür­lich auch im Detail anse­hen [4]. Wie viel Ver­kehr auf­tritt, hängt von vie­len Fak­to­ren ab – bie­gen nur Men­schen auf den Park­platz ab, die sowieso die Bahn­hof­straße durch­fah­ren hät­ten? Wie groß ist die Anzie­hungs­kraft des Cen­ters für Men­schen aus dem Umland? Ver­zich­ten Bewoh­ner von Fleischervor- und Innen­stadt auf ihr Auto? Wie wer­den die Men­schen aus den ande­ren Stadt­tei­len zum Ein­kaufs­zen­trum gelangen?

Ins­ge­samt wird befürch­tet, dass die Kom­bi­na­tion vom Kreis­ver­kehr bei der Unter­füh­rung am Bahn­hof, der dor­ti­gen Ampel, der neu geplan­ten Ampel am TV/Ahoi-Club, den Ein­mün­dun­gen auf die Bahn­hof­straße und letzt­lich der Ampel an der Kreu­zung zur Gütz­ko­wer Straße zu Pro­blem füh­ren wird. Eine wirk­li­che Alter­na­tive gibt es nicht: Im Süden sind Bahn­schie­nen, im Osten die Unter­füh­rung und im Wes­ten das Wohn­ge­biet der Fleischervorstadt.

Die geplante Ampel­an­lage dürfte beson­ders für Rad­fah­rer ein Ärger­nis wer­den. Wer möchte sich schon vor­stel­len dort, wo er jetzt die ganze Bahn­hof­straße unge­stört fah­ren kann, zu Guns­ten des KFZ-Verkehrs an einer Ampel halt zu machen? Eine Lösung könnte darin beste­hen Rad­fah­rer nach der Über­que­rung der Unter­füh­rung gera­de­aus und somit süd­lich an den Hal­len vor­bei fah­ren zu las­sen – irgendwo müss­ten sie dann aber wie­der Rich­tung Bahn­hof­straße fah­ren kön­nen – aus stu­den­ti­scher Sicht bes­ser so, dass man nicht zurück zur Rube­now­straße fah­ren muss.

Kul­tur und Bürgerbeteiligung

Im Bereich Erhalt der (stu­den­ti­schen) Kul­tur hat sich Herr Sal­lier auf koope­ra­ti­ons­be­reit gezeigt. Im jet­zi­gen »Stoff­la­ger« bot Sal­lier auf drei Eta­gen mög­li­che Flä­chen für eine kul­tu­relle Nut­zung. Inwie­weit eine Nut­zung durch eine Kul­tur­in­itia­tive in die­sem Umfeld (das Stoff­la­ger soll in die Neben­ver­kaufs­flä­chen wie Takko, Deich­mann und dm inte­griert wer­den) mög­lich ist, bleibt abzu­war­ten. Erfreu­lich ist jedoch, dass von Sei­ten des Inves­tors schein­bar die Bereit­schaft besteht, Kul­tur auf dem Gelände der KAW-Hallen lang­fris­tig anzusiedeln.

Beson­ders bedau­er­lich fin­den wir, dass Bür­ger nicht mehr beson­ders in die Ent­wick­lung des Gebie­tes ein­be­zo­gen wer­den sol­len. Ein Bür­ger­ent­scheid soll aus juris­ti­schen Grün­den nicht mög­lich sein und ins­be­son­dere in der CDU-Fraktion ist die Idee, dass man Bür­ger auch ohne gesetz­li­che Bin­dung ein­fach mal befra­gen könnte, noch nicht auf frucht­ba­ren Boden gefal­len – nun will die Bür­ger­in­itia­tive das mit­tels einer Bür­ge­rIn­nen­be­fra­gung in Eigen­re­gie machen.

Unsere Posi­tion, unsere Forderungen

Ganz klar – so lange, die Pro­bleme, die wir beschrie­ben haben, noch nicht geklärt sind, kön­nen wir dem Unter­fan­gen nicht zustim­men.
Ins­be­son­dere bit­ten wir Herrn Sal­lier um fol­gende Schritte:

  • Fas­sen Sie ihre aktua­li­sier­ten Pläne zusam­men, sodass Bür­ger sich leicht einen Über­blick ver­schaf­fen können.
  • Erklä­ren Sie, wie obige Pro­bleme gelöst wer­den sol­len – ohne Kom­pro­misse wird es kaum wei­ter gehen.
  • Ler­nen Sie Greifs­wald noch bes­ser ken­nen – ver­ste­hen Sie das Lebens­ge­fühl der Ein­woh­ner und koope­rie­ren Sie mit den­je­ni­gen, die aus Greifs­wald eine leben­dige Stadt machen. Wir for­dern Mut zur Inno­va­tion – Sie haben an Car­Sha­ring gedacht. Wie den­ken an eine Leih­sta­tion für Las­ten­rä­der (IKEA macht es vor), freies Inter­net und natür­lich auch Raum für kul­tu­relle Einrichtungen.
  • Arbei­ten Sie gemein­sam mit allen Betei­lig­ten an einem Kom­pro­miss, der anschlie­ßend den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern als eine Alter­na­tive zur Ent­wick­lung des KAW-Geländes vor­ge­schla­gen wird. Nur durch eine anschlie­ßende Bür­ge­rIn­nen­be­fra­gung kann die Erschlie­ßung des Gelän­des zusam­men mit den betrof­fe­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern erfolgen.

[1] OZ HGW, 04. Sep­tem­ber 2014, Seite 9
[2] CIMA-Gutachten
[3] Ein­woh­ner­zah­len 2012
[4] Stu­die­ren­den­zah­len Greifs­wald
[5] Ver­kehrs­gut­ach­ten Bahn­hof­straße - Wenn der Link nicht geht: http://pvrat.de/ratsinfo/greifswald/Search.html Such­wort: Ver­kehrs­un­ter­su­chung und ein Häk­chen set­zen bei »Anlagen«

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Wahl­prüf­steine (Teil 2) – Verkehrspolitik

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Auch der Ver­kehrs­club Deutsch­land Nord­ost hat uns einen Wahl­prüf­stein mit meh­re­ren Fra­gen geschickt. Wir doku­men­tie­ren hier unsere Ant­wor­ten dazu.

Wer­den Sie sich für die Umset­zung des Greifs­wal­der Rad­ver­kehrs­plans (RVP), den die Bür­ger­schaft am 1. Dezem­ber 2010 beschloss, einsetzen?

Ja, das Pro­gramm der Greifs­wal­der Pira­ten for­dert expli­zit ein »ech­tes Rad­we­ge­netz«. Es ist jedoch zu prü­fen, ob der RVP von 2010, wel­cher wie­derum auf Daten von 2008 beruht, noch aktu­ell ist. Durch Umstruk­tu­rie­run­gen der Uni­ver­si­tät könn­ten bestimmte Stre­cken an Bedeu­tung gewon­nen haben.

Wenn ja, möch­ten wir Sie bit­ten, zu erläu­tern, wel­che Maß­nah­men Sie in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­riode der Bür­ger­schaft dazu ergrei­fen werden?

Wir möch­ten, dass für die Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur auch mal Geld in die Hand genom­men wird. Wenn es darum geht ein Rat­haus zu bauen, das plötz­lich etli­che Mil­lio­nen mehr kos­tet, als ursprüng­lich geplant, geht das ja schließ­lich auch. In der Bür­ger­schaft selbst wer­den wir das sicher durch ent­spre­chende Anträge zum Aus­druck brin­gen. Dar­über hin­aus wol­len wir aber auch Bür­ger ein­be­zie­hen. Mit Open­An­trag wer­den wir eine Platt­form anbie­ten, mit der Bür­ger selbst Anträge for­mu­lie­ren kön­nen, die wir dann gege­be­nen­falls in die Stadt­ver­tre­tung ein­brin­gen wer­den. Außer­dem wün­schen wir uns einen Ser­vice, der dem Ros­to­cker »Klar­schiff« ähnelt. Dies könnte hilf­reich sein, um Pro­bleme im Rad­ver­kehrs­netz zu iden­ti­fi­zie­ren, Anre­gun­gen zu sam­meln und Prio­ri­tä­ten festzulegen.

Der VCD Nord­ost for­dert ambi­tio­nierte Ziele hin­sicht­lich des Anteils der umwelt­freund­li­chen Ver­kehrs­trä­ger Fuß, Rad und ÖPNV am zukünf­ti­gen Mobi­li­täts­auf­kom­men. Gel­der flie­ßen bis­her im gro­ßen Maße in den ÖPNV und in den Auto­ver­kehr. Des­halb for­dert der VCD Nord­ost eine dem der­zei­ti­gen Modal Split ange­passte finan­zi­elle För­de­rung der Mobi­li­täts­ar­ten. Nach einer Erhe­bung der Greifs­wal­der Stadt­ver­wal­tung aus dem Jahre 2009 sah der Modal Split, d.h. die Anteile der täg­li­chen Wege der Bür­ge­rIn­nen so aus: die meis­ten Wege wur­den zu rund 44% mit dem Fahr­rad zurück­ge­legt. Auf den Pkw-Verkehr (Selbst- und Mit­fah­rer) ent­fie­len etwa 33% der Wege. 21% wur­den zu Fuß erledigt.

Wel­che Modal-Split-Anteile stre­ben Sie in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­riode an?

Wenn Modal Split ledig­lich die Ver­kehrs­mit­tel­wahl ist, so möch­ten wir den Anteil des Kraft­fahr­zeug­ver­kehrs ver­rin­gern, ohne dabei Mobi­li­täts­ein­bu­ßen zu erzeu­gen. Wir wür­den uns sehr dar­über freuen, wenn Greifs­wald noch mehr Men­schen zum Rad­fah­ren begeis­tern kann.

Wer­den Sie sich für eine Anpas­sung der finan­zi­el­len För­de­rung am Anteil der Mobi­li­täts­ar­ten am Modal Split und an öko­lo­gi­schen Kri­te­rien einsetzen?

Wir wol­len stär­ker als bis­her in die Fahr­ra­d­in­fra­struk­tur inves­tie­ren. Das kommt einer Anpas­sung an den Modal Split gleich. Selbst­ver­ständ­lich spie­len hier­für auch öko­lo­gi­sche Kri­te­rien eine Rolle. Es steckt jedoch mehr dahin­ter: Jeder Greifs­wal­der, der auf das Rad umsteigt, macht für Men­schen, die Auto fah­ren müs­sen die Straße etwas freier und trägt so zu einer ent­spann­ten Ver­kehrs­lage bei. Das nutzt allen Verkehrsteilnehmern.

Das Foto ist von der Pira­ten­par­tei. Wie man sieht gibt es genug Platz für alle Verkehrsteilnehmer/innen :)

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Wahl­prüf­steine (Teil 1) – Diagonalquerung

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Die Bür­ger­in­itia­tive »Dia­go­nal ist bes­ser« hat uns einen Wahl­prüf­stein geschickt:

Wer­den Sie sich in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­riode der Bür­ger­schaft Greifs­wald für den Umbau des Plat­zes der Frei­heit (Euro­pa­kreu­zung) mit Ein­rich­tung der soge­nann­ten Dia­go­nal­que­rung für Rad­fah­re­rin­nen und Rad­fah­rer ein­set­zen? Wenn ja, erläu­tern Sie bitte kurz wie?

Hier ist unsere Antwort:

Das Pro­gramm der Greifs­wal­der Pira­ten for­dert Inves­ti­tio­nen in ein tat­säch­li­ches Rad­we­ge­netz. In die­sem Netz kann auch die Dia­go­nal­que­rung eine wich­tige Rolle spie­len. Vor­der­grün­dig ist jedoch dar­auf zu drän­gen, dass der Rad­ver­kehrs­plan (2010) ins­ge­samt ange­gan­gen wird. Nach vier Jah­ren ist gege­be­nen­fall auch zu prü­fen, ob der Plan noch auf dem aktu­el­len Stand der Dinge ist.

Wenn die Straße hin­ter dem Thea­ter wei­ter­hin rad­fah­rer­un­freund­lich ist, bringt die Dia­go­nal­que­rung nicht den gewünsch­ten Mehr­wert. Je bes­ser die Fahr­rad­achse von der Innen­stadt zur Pap­pel­al­lee aus­ge­baut ist, desto wert­vol­ler würde die Diagonalquerung.

Für die Dia­go­nal­que­rung selbst müsste zunächst genauer fest­ge­stellt wer­den, wie hoch der Kos­ten­auf­wand ist. Bis­her gibt es dazu nur Schät­zun­gen. Anschlie­ßend wäre es wün­schens­wert, wenn Bür­ger dar­über abstim­men könn­ten, in wel­cher Rei­hen­folge ver­schie­dene Rad­fahr­pro­jekte abge­ar­bei­tet wer­den sollen.

Die bald in der Bür­ger­schaft ver­tre­te­nen Pira­ten wer­den die­sen ganz­heit­li­chen Ansatz bei der Betrach­tung des Dia­go­nal­que­rung ver­fol­gen. Wir mögen das Pro­jekt, wol­len es aber nicht um jeden Preis.

Das Foto ist von affn­pack und zeigt die Euro­pa­kreu­zung mit viel Platz. Es steht unter der Lizenz
CC BY-NC-SA 2.0.

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14. Mai 2012 - Cri­ti­cal Mass

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Pro Dia­go­nal­que­rung!

Wenn es in Greifs­wald einen Ver­kehrs­kno­ten­punkt gibt, so ist es die Euro­pa­kreu­zung. Jeden Tag pas­sie­ren tau­sende Greifs­wal­der die­sen Schnitt­weg - und gera­ten dabei in Kon­flikte. Ins­be­son­dere zu Stoß­zei­ten behin­dern sich Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger gegen­sei­tig, mit­un­ter auch unter Ein­be­zie­hung des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs. Schuld daran sind sie nicht unbe­dingt selbst: Die Kreu­zung kann schlicht­weg die Las­ten nicht zu jeder Zeit tragen.

Ein Kon­zept, um Stand­zei­ten zu über­win­den und den Ver­kehr flie­ßen zu las­sen, ist die soge­nannte »Dia­go­nal­que­rung«. Rad­fah­rer wür­den eine zusätz­li­che Ampel erhal­ten und dürf­ten, wäh­rend Auto­fah­rer nach links abbie­gen (zum Bei­spiel vom Han­se­ring in die Wol­gas­ter Straße), in einem brei­ten Kor­ri­dor dia­go­nal zwi­schen Thea­ter­platz und Müh­len­tor kreu­zen. An den bis­he­ri­gen War­te­punk­ten wür­den weni­ger Rad­fah­rer ste­hen und die Haupt­achse des Greifs­wal­der Fahr­rad­ver­kehrs über die Robert-Blum-Straße und die Pap­pel­al­lee würde betont. Details kön­nen einem PDF zur Pro­jekt­pla­nung ent­nom­men wer­den [1]

Europakreuzung

Lei­der hat sich gerade an die­sem Pro­jekt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine vor­nehm­lich ideo­lo­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung ent­zün­det. Teil­weise unab­hän­gig von Argu­men­ten, Finan­zie­rungs­ideen und der Prü­fung durch diverse Sach­ver­stän­dige, wol­len als kon­ser­va­tiv gel­tende Bür­ger­schafts­frak­tio­nen der Idee einen Rie­gel vor­schie­ben. Ein wei­te­rer Höhe­punkt die­ses Dau­er­streits ist der gegen­wär­tige Ver­such die Umge­stal­tung der Euro­pa­kreu­zung ganz aus dem Rad­ver­kehrs­plan zu strei­chen. CDU, FDP und Bür­ger­liste möch­ten »ein für alle­mal und für alle Klar­heit in die­ser Frage schaf­fen« und bele­gen damit, dass es ihnen nicht um das Gemein­wohl geht: Die Dis­kus­sion soll been­det wer­den, denn Dis­kus­sio­nen sind lei­der so müh­se­lig, mit all ihren Argu­men­ten und den unlieb­sa­men Teilnehmern.

Die­ser Schritt wird allein damit begrün­det, dass in einer Tele­fon­be­fra­gung ein nega­ti­ves Mei­nungs­bild zur Dia­go­nal­que­rung ein­ge­holt wurde. Eine vor­he­rige Onlin­e­be­fra­gung ergab jedoch ein ent­ge­gen­ge­setz­tes Ergeb­nis. Für beide Ver­su­che gilt, dass sie nicht als reprä­sen­ta­tiv gel­ten kön­nen. Wenn man, wie gesche­hen, an einem Werk­tag gegen 11 Uhr zufäl­lig aus­ge­wählte Fest­netz­an­schlüsse anruft, erreicht man eben nur die­je­ni­gen, die dann nicht auf dem Fahr­rad oder auf Arbeit und in der Uni sit­zen und ver­zerrt so die Erhe­bung.
Dass den­noch ver­sucht wird, den Anschein der Reprä­sen­ta­ti­vi­tät auf­recht zu erhal­ten, zeugt ent­we­der von Unwis­sen­heit oder aber von Ignoranz.

Zurück zu den Fakten

Was kos­tet die Diagonalquerung?

Zunächst geht es auch nur darum, das Pro­jekt nicht aus dem Rad­ver­kehrs­plan zu strei­chen - das kos­tet gar nichts.
Ins­ge­samt sind 185.000 Euro ver­an­schlagt, davon 25.000 Euro für die teu­rere LED-Ampeltechnik.
Zum Ver­gleich: Die Pro­gram­mie­rung einer grü­nen Welle hat etwa 60.000 Euro gekos­tet.
Zur Rela­ti­vie­rung: Jähr­lich las­sen sich 7.000 Euro durch die ener­gie­ef­fi­zi­en­ten LED-Leuchten ein­spa­ren - das Pro­jekt refi­nan­ziert sich also mit­tel­fris­tig.
Zur Klar­stel­lung: Die Ampel­an­lage muss frü­her oder spä­ter ohne­hin saniert werden.

Wem nützt die Diagonalquerung?

Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer müs­sen sich weni­ger um den zu knapp bemes­se­nen Platz vor den Ampel­über­gän­gen strei­ten.
Alle Ver­kehrs­teil­neh­mer pro­fi­tie­ren von schnel­le­ren Schalt­zy­klen, da durch die Ver­klei­ne­rung der Kreu­zung gerin­gere Überfahrt- und Räum­zei­ten benö­tigt wer­den - die War­te­zei­ten wer­den kür­zer.
Rad­fah­rer pro­fi­tie­ren beson­ders durch die neue Kreu­zungs­op­tion.
Alle Bür­ger und Gäste Greifs­walds kön­nen von einer Ent­schla­ckung pro­fi­tie­ren, wenn die Haupt­ver­kehrs­ader für Rad­fah­rer gestärkt wird und diese darum sel­te­ner auf der Ankla­mer Straße mit Auto­fah­rern um den dort vor­han­de­nen Platz konkurrieren.

Ist die Dia­go­nal­que­rung gefährlich?

Nein. Alle an der Prü­fung des Kon­zep­tes betei­lig­ten Behör­den haben grü­nes Licht gege­ben. Seit vie­len Jah­ren kreu­zen Rad­fah­rer uner­laubt quer - noch nie gab es dabei Unfälle.

Wird es Stau geben?

Ver­mut­lich nicht - die Pla­nung beruht auf Modell­rech­nun­gen und aktu­el­len Ver­kehrs­da­ten. Den­noch gibt es Zwei­fel: Wenn es nur noch eine Links­ab­bie­ger­spur am Han­se­ring gibt, könnte man einen Rück­stau bis über die Ein­mün­dung zur Löff­ler­straße hin­aus befürch­ten.
Um die­sen strit­ti­gen Punkt zu klä­ren, könnte man in einen pro­vi­so­ri­schen Betrieb die Dia­go­nal­que­rung erpro­ben. Was braucht es dazu?

- kurz­le­bige Fahr­bahn­mar­kie­run­gen
- even­tu­ell kurze Ram­pen an den momen­tan noch hohen Bür­ger­steig­kan­ten
- Frei­wil­lige, die unter Anlei­tung der Poli­zei »Ampel« spielen

Was tun?

Die Greifs­wal­der Pira­ten schlie­ßen sich dem Auf­ruf der Hoch­schul­pi­ra­ten an: Kommt am 14. Mai 2012 um 17.30 Uhr zur Fahr­radd­demo am Markt [2]! Lasst uns zei­gen, dass Greifs­wald die Dia­go­nal­que­rung will!

[1] Pro­jekt­dar­stel­lung als PDF (2010)
[2] Flyer Fahr­rad­demo (4 MB)

Das Foto ist von Cal­vin Der­kins und steht unter der Lizenz CC BY-NC-ND 2.0. Es zeigt die Euro­pa­kreu­zung in einer Winternacht.

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